Indisches Weissschwanz-Stachelschwein (Hystrix indica)

Stacheliger Besuch im Garten

Beim CCR läuft meist eine Wildkamera, welche die nächtlichen Besucher im Garten erfasst. Es gibt dabei immer wieder spannende Beobachtungen zu verzeichnen, selten zu sehende, nachtaktive Säugetiere etwa. Auf etlichen der Bilder sind Tiere zu sehen, die beeindruckend lange Stacheln tragen, am Körper angelegt oder manchmal abgespreizt, sodass sie wie ein respekteinflössendes «Nadelkissen» erscheinen. Zu zweit oder auch einmal mit Nachwuchs, das Indische Weissschwanz-Stachelschwein (Hystrix indica) ist ein häufig gesehener Gast beim CCR, wenn es sich auf seine nächtlichen Streifzüge zur Nahrungssuche begibt.

Stachelschwein 1

Die nacht- und dämmerungsaktiven Stachelschweine sind auf Sri Lanka weit verbreitet und bezüglich ihres Lebensraumes nicht sehr spezialisiert. Sie besiedeln Busch- und Grasland, Ruderalflächen, Wälder, Plantagen und Gärten, und streifen auch durch die Vororte der grösseren Städte. Es sind soziale Tiere, die normalerweise in monogamen Paaren oder kleinen Familiengruppen leben, wobei die Jungen bis zur Geschlechtsreife im Alter von etwa zwei Jahren bei den Eltern bleiben. Bezüglich der Ernährung sind die Indischen Weissschwanz-Stachelschweine ebenfalls recht flexibel. Sie verzehren vor allem pflanzliche Nahrung wie Wurzeln, Knollen, Samen oder Früchte, die sie mit ihrem feinen Geruchssinn am Boden aufstöbern. Den Tag verbringen sie meist ruhend in ihren Erdbauen, welche sie gut selbst graben können.

Indische Weissschwanz-Stachelschweine können bis etwa 20 Kilogramm schwer und 90 Zentimeter lang werden. Am vorderen Körper tragen sie ein dunkles Fell, das gegen den hinteren Bereich allmählich in die langen, harten Stacheln übergeht. Diese sind schwarzweiss geringelt und werden zu einer beeindruckenden Waffe, wenn sie das Tier angesichts einer Bedrohung aufstellt. Die längsten Stacheln können über 30 Zentimeter lang werden! Die härtesten, als Waffe genutzten Stacheln sind aber etwa 20 Zentimeter lang und stehen dicht gepackt über dem Rumpf und Hinterteil des Tieres. Am Schwanz zeigen sich kürzere weisse und längere hohle Stacheln. Mit diesen kann das Stachelschwein eine rasselndes Warngeräusch erzeugen, wenn es sich einem Angreifer gegenübersieht. Dazu faucht es und stampft mit den Füssen, in allerhöchster Not geht es auch rückwärts oder seitlich mit seinen Stacheln auf den Feind los.

Die Eigenart, sich mit harten Stacheln zu verteidigen, hat sich bei kleineren Säugetieren offenbar bewährt. Aus mehreren Verwandtschaftsgruppen der Säugetiere haben sich unabhängig voneinander Arten entwickelt, die sich auf diese Weise bewehren. Darunter sind unsere einheimischen Igel, die zu den Insektenfressern zählen, ebenso wie die urtümlichen, zu den eierlegenden Kloakentieren gehörenden Ameisenigel Australiens und Neuguineas. Auf dem amerikanischen Doppelkontinent leben die den Stachelschweinen ähnelnden Baumstachler, recht grosse Nagetiere aus der Verwandtschaft der Meerschweinchenartigen, die an eine kletternde Lebensweise angepasst sind. Die Stachelschweine selbst bilden eine eigene Verwandtschaftsgruppe der Nagetiere.

Elf verschiedene Arten von Stachelschweinen leben in Asien und Afrika. Das Indische Weissschwanz-Stachelschwein besiedelt dabei ein riesiges Verbreitungsgebiet. Es kommt in Sri Lanka, Nepal und Indien mit Ausnahme des Nordostens, in Zentralasien und dem angrenzenden China sowie weiter westwärts bis auf die arabische Halbinsel und in die Türkei vor.